Reisetage Norwegen
Andøya – Küste, Wald und See
21. Juni 2025 – Drei Birding-Hotspots auf Andøya
Nach der Walsafari am Vortag wollten wir uns heute wieder ganz der Vogelbeobachtung widmen. Mit der eBird-App suchten wir uns drei Hotspots auf Andøya heraus, die unterschiedliche Lebensräume versprachen: die Küste bei Breivik, das bewaldete Skarsteindalen und schließlich den Süßwassersee Kleivvatnet bei Andenes.
Als Hotspots bezeichnet eBird gemeinschaftlich genutzte Beobachtungsorte, an denen die Checklisten verschiedener Beobachter zusammengeführt werden. Dadurch lässt sich bereits vor einer Exkursion sehen, welche Arten an einem bestimmten Ort beobachtet wurden. Ein Hotspot muss dabei keineswegs besonders artenreich sein – entscheidend ist, dass er einen klar definierten und öffentlich zugänglichen Beobachtungsort darstellt.
Großer Brachvogel (Numenius arquata) Eurasian Curlew
Nachwuchs auf Abwegen: Während die Altvögel aufmerksam über ihre Jungen wachten, machten sich zwei der jungen Brachvögel ausgerechnet in Richtung Hauptstraße auf.
Auf Nahrungssuche am Golfplatz: Auf den kurz gemähten Flächen fanden die Brachvögel ideale Bedingungen. Selbst zwischen den Golfbällen suchten sie ungestört nach Würmern und anderer Nahrung.
Brachvögel schon vor dem ersten Hotspot
Auch an diesem Tag konnten wir die Familien mehrfach beobachten. Die bereits recht selbstständigen Jungvögel erkundeten ihre Umgebung auf langen, noch etwas dünn wirkenden Beinen, während die Eltern aufmerksam in der Nähe blieben. Sobald sich Menschen oder Hunde näherten, wurden die Altvögel unruhig und warnten mit ihren weit tragenden, flötenden Rufen.
Hotspot 1 – Andøya—Breivik
Unser erster eBird-Hotspot lag an der Ostküste von Andøya bei Breivik. Hier treffen offene Küstenflächen, Grünland, felsige Uferbereiche und flaches Meerwasser unmittelbar aufeinander – entsprechend vielfältig war die Vogelwelt.
Für unsere etwa einstündige Exkursion bot sich damit ein typischer Querschnitt durch die Vogelwelt der nordnorwegischen Küste. Wir beobachteten Graugänse, Eiderenten, Austernfischer, Dreizehenmöwen, Silbermöwen, Mantelmöwen, Krähenscharben, Graureiher, Seeadler und Wiesenpieper.
Hier trafen wir auch wieder auf die jungen Brachvögel, die wenig Neigung zeigten, die Straße freiwillig zu verlassen.
Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica) Bar-tailed Godwit
Rastende Pfuhlschnepfen bei Breivik: Auf den Felsen im flachen Küstenwasser legte eine kleine Gruppe Pfuhlschnepfen eine Ruhepause ein. Ein Vogel zeigte noch deutlich rostrote Partien des Brutkleides – ein schöner Kontrast zu den überwiegend graubraunen Artgenossen.
Mantelmöwe (Larus marinus) Great Black-backed Gull
Mantelmöwe an der Küste von Andøya: Zwischen Felsen, Tangflächen und flachem Küstenwasser gehörte auch die kräftige Mantelmöwe zum typischen Artenspektrum unseres ersten Birding-Hotspots bei Breivik.
Krähenscharbe (Gulosus aristotelis) European Shag
Auf einem Pfahl im bewegten Küstenwasser ruhte eine Krähenscharbe.
Seeadler (Haliaeetus albicilla) White-tailed Eagle
Ein Seeadler saß zwischen Felsen und Tangfeldern.
Wiesenpieper (Anthus pratensis) Meadow Pipit
Wiesenpieper in den Küstenwiesen bei Breivik: Auf den offenen, blütenreichen Wiesen unseres ersten Birding-Hotspots gehörten Wiesenpieper zu den typischen Begleitern unserer Beobachtungen.
Großer Brachvogel (Numenius arquata) Eurasian Curlew
Großer Brachvogel über Breivik: Immer wieder flogen die Brachvögel über die offenen Flächen und machten mit ihren weit tragenden, flötenden Rufen auf sich aufmerksam – besonders dann, wenn ihre Jungen in der Nähe unterwegs waren.
Auf der Weiterfahrt zum zweiten Hotspot folgte noch eine besondere Beobachtung:
Drei Schmarotzerraubmöwen flogen über die offenen Flächen. Wir konnten sie direkt aus dem Auto heraus beobachten, bevor sie aus unserem Blickfeld verschwanden.
Hotspot 2 – Andøya—Skarsteindalen
Der zweite Hotspot führte uns in eine völlig andere Landschaft. Skarsteindalen liegt im nördlichen Teil von Andøya, etwa zwölf Kilometer von Andenes entfernt, in einem von Bergen eingerahmten Tal. Der Ort liegt etwas abseits der Küste; in der Umgebung befinden sich auch mehrere Fischercamps.
Wir stellten unser Auto bei den Fischercamps ab und starteten von dort zu einer rund zweistündigen ornithologischen Exkursion. Der Weg führte leicht bergauf in einen noch niedrigen und lichten Baumbestand. Nach den offenen Küstenflächen von Breivik fanden wir hier eine völlig andere Vogelgemeinschaft vor.
Aus dem Gehölz hörten oder sahen wir Kuckuck, Weidenmeise, Fitis, Singdrossel, Wacholderdrossel, Bergfink und Birkenzeisig. Auch eine Ringdrossel glaubten wir ebenfalls zu hören.
Unterwegs im Skarsteindalen: Vom Parkplatz führte unsere Exkursion durch lichten Birkenwald langsam bergauf. Die offene, noch niedrige Vegetation bot gute Möglichkeiten, nach den typischen Singvögeln dieser Landschaft zu suchen.
Fitis im lichten Birkenwald: Während unserer Exkursion durch das Skarsteindalen begegnete uns auch der Fitis, dessen Gesang immer wieder aus dem lockeren Baumbestand zu hören war.
Bergfink (Fringilla montifringilla) Brambling
Bergfink im Skarsteindalen: Im lichten Birkenwald entdeckten wir einen Bergfink, der von einer exponierten Warte aus auf sich aufmerksam machte.
Alpen-Mosaikjungfer (Aeshna caerulea) Azure Hawker
Alpen-Mosaikjungfer am Wegesrand: Auf unserem Weg durch das Skarsteindalen begegneten uns nicht nur Vögel. Auch diese Alpen-Mosaikjungfer ließ sich auf dem sonnenbeschienenen Weg gut beobachten.
In Mitteleuropa gilt die Alpen-Mosaikjungfer als eiszeitliches Relikt: Nach dem Ende der letzten Eiszeit zog sie sich mit der Erwärmung des Klimas in kühle Hochlagen und wenige geeignete Rückzugsgebiete zurück. Heute findet man sie dort vor allem in den Alpen und nur sehr lokal in weiteren kühlen Regionen.
Ganz anders in Skandinavien: Hier ist die Art deutlich weiter verbreitet und reicht bis weit in den arktischen Norden. Sie besiedelt vor allem kühle Moor-, Heide- und Tundrenlandschaften. Unsere Beobachtung am 21. Juni 2025 fiel zudem genau in den Beginn ihrer Flugzeit in Nordnorwegen.
Ganz anders in Skandinavien: Hier ist die Art deutlich weiter verbreitet und reicht bis weit in den arktischen Norden. Sie besiedelt vor allem kühle Moor-, Heide- und Tundrenlandschaften. Unsere Beobachtung am 21. Juni 2025 fiel zudem genau in den Beginn ihrer Flugzeit in Nordnorwegen.
Birkenzeisig (Acanthis flammea) Common Redpoll
Birkenzeisig im Skarsteindalen: Hoch in der Spitze eines Nadelbaums entdeckten wir diesen Birkenzeisig. In der Vergrößerung sind die rötliche Stirn, der dunkle Kehlfleck und das fein gestrichelte Gefieder gut zu erkennen – typische Merkmale der Art.
Hotspot 3 – Andenes—Kleivvatnet
Unser dritter und letzter Hotspot war der Kleivvatnet am Rand von Andenes. Der Süßwassersee ist von Grünflächen, niedrigem Buschwerk und offenen Bereichen umgeben und bot damit erneut einen völlig anderen Lebensraum als unsere beiden vorherigen Beobachtungsplätze.
Gleichzeitig liegt Kleivvatnet in unmittelbarer Nähe des Flughafens und weiterer Anlagen im Norden von Andenes.
Wir umrundeten den See und konnten hier eine Vogelwelt beobachten, die sich wiederum deutlich von den beiden vorherigen Hotspots unterschied.
Unsere Ausrüstung – Kameras, Ferngläser und Spektiv – blieb allerdings nicht unbemerkt. Obwohl wir uns auf öffentlich zugänglichen Wegen bewegten, wurden wir wegen der Nähe zum Flughafen beziehungsweise zu militärisch genutzten Bereichen von Angehörigen des Militärs angesprochen und kontrolliert. Die Situation ließ sich schnell klären.
Aus diesem Grund beschränken wir uns auch im Reisebericht auf unsere Vogelaufnahmen und verzichten bei diesem Abschnitt bewusst auf Übersichtsfotos der Umgebung.
Am Kleivvatnet beobachteten wir Singschwan, Pfeifente, Stockente, Reiherente, Ringeltaube, Austernfischer, Großen Brachvogel, Rotschenkel, Lachmöwe, Sturmmöwe, Silbermöwe, Mantelmöwe, Flussseeschwalbe, Ohrentaucher, Seeadler, Elster, Nebelkrähe, Uferschwalbe, Rauchschwalbe, Fitis, Zilpzalp, Wacholderdrossel und Grünfink.
Der Kleivvatnet bildete damit einen passenden Abschluss unserer Beobachtungen an diesem Tag.
Ohrentaucher (Podiceps auritus) Horned Grebe
Ohrentaucher am Kleivvatnet: Zwischen den Uferpflanzen entdeckten wir einen Ohrentaucher im Brutkleid.
Singschwan (Cygnus cygnus) Whooper Swan
Singschwan-Familie am Kleivvatnet: Auf dem Süßwassersee konnten wir auch ein Singschwanpaar mit mehreren noch grauen Jungvögeln beobachten
Pfeifente (Mareca penelope) Eurasian Wigeon
Pfeifenten am Kleivvatnet: Weibchen mit Jungvögeln in der flachen Uferzone.
Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) Common Tern
Flussseeschwalben am Kleivvatnet: Zwei Altvögel ruhen und baden im flachen Wasser.
Rotschenkel (Tringa totanus) Common Redshank
Rotschenkel am Kleivvatnet: Auf einem Metallpfosten am Rand des Sees saß dieser Rotschenkel und bot uns einen guten Blick auf seine auffallend roten Beine und den rot-schwarzen Schnabel.
Abschluss des Tages
Nach drei ausgedehnten Exkursionen hatten wir für diesen Tag genug gesehen und gehört. Besonders interessant war, wie stark sich die Vogelwelt bereits auf wenigen Kilometern veränderte. Küstenvögel bei Breivik, Singvögel im Skarsteindalen und schließlich Wasservögel am Kleivvatnet machten den 21. Juni zu einem abwechslungsreichen Birding-Tag auf Andøya.
Für uns bestätigte sich wieder einmal: Man muss auf einer Vogelreise nicht immer einem einzelnen spektakulären Ziel hinterherfahren. Manchmal ist es gerade der Wechsel zwischen verschiedenen Lebensräumen, der einen Beobachtungstag besonders interessant macht.
Am nächsten Morgen sollte sich der Charakter unserer Reise wieder ändern. Nun lag ein langer Fahrtag vor uns: Wir wollten Andøya verlassen und die Lofoten von Norden nach Süden durchqueren. Vorbei an Fjorden, steilen Bergen und kleinen Orten sollte unsere Strecke schließlich bis nach Moskenes führen.
Dort wollten wir noch einmal übernachten. Erst anschließend sollte es mit der Fähre über den Vestfjord nach Bodø gehen – und damit von den Lofoten zurück auf das norwegische Festland.