Reisetage Norwegen
BirdSafari zu den Seevogelkolonien der Gjesværstappan
17. Juni 2025 Vogelsafari zu den Gjesværstappan
Am Morgen fuhren wir erneut nach Gjesvær. Den kleinen Fischerort und Ausgangspunkt unserer Tour hatten wir bereits am Vortag erkundet. Diesmal führte uns unser Weg direkt zum Büro von BirdSafari, denn für diesen Vormittag hatten wir eine Vogelsafari mit dem Schiff zu den Gjesværstappan geplant.
Ziel der etwa zweistündigen Bootstour war vor allem Storstappen, die größte Insel des Naturschutzgebietes und Heimat riesiger Seevogelkolonien. Vor der Abfahrt bekamen wir warme Schutzoveralls, die uns während der Fahrt vor Wind, Kälte und Spritzwasser schützen sollten. Gemeinsam mit uns ging eine größere Reisegruppe an Bord, die kurz zuvor mit einem Reisebus in Gjesvær angekommen war.
Das Büro von BirdSafari in Gjesvær – Ausgangspunkt unserer Fahrt zu den Gjesværstappan.
Route unserer BirdSafari von Gjesvær zu den Gjesværstappan. Die Übersicht zeigt die Lage der Vogelinseln im Verhältnis zum Nordkapp, das wir am Vortag besucht hatten.
Schon nach kurzer Fahrt erreichten wir die Vogelinseln. Unser Schiff umrundete Storstappen, und bald konnten wir an den felsigen Hängen und Klippen die ersten Vögel entdecken. Auf den Felsen standen Krähenscharben, während sich auf dem Wasser Trottellummen, Tordalken und Papageitaucher aufhielten.
Sobald sich unser Schiff näherte, kam Bewegung in die Gruppen auf dem Wasser. Einige Vögel tauchten ab, andere schwammen eilig davon oder flogen auf. Für uns begann damit eine eindrucksvolle Fahrt mitten hinein in die riesigen Seevogelkolonien der Gjesværstappan.
Gemeinsam mit einer größeren Reisegruppe, die kurz zuvor mit einem Reisebus in Gjesvær angekommen war, gingen wir an Bord des Ausflugsschiffes von BirdSafari.
Blick vom Beobachtungsschiff auf eine der steilen Vogelinseln der Gjesværstappan.
Papageitaucher (Fratercula arctica) Atlantic Puffin
Zahlreiche Papageitaucher schwimmen vor den Vogelinseln – der Bildausschnitt zeigt einen Altvogel im farbenprächtigen Brutkleid.
Krähenscharbe (Gulosus aristotelis) European Shag
Krähenscharben versammeln sich auf den Felsen der Gjesværstappan. Im Bildausschnitt sind ein Altvogel und ein Jungvogel zu sehen.
Unzählige Tordalken, Gryllteisten, Papageitaucher und Trottellummen schwammen, tauchten und flogen rund um unser Boot. Hoch oben auf den Felsen saßen mehrere Seeadler und beobachteten aufmerksam das Geschehen unter ihnen. In den grasbewachsenen Hängen lagen die Bruthöhlen der Papageitaucher. Hin und wieder entdeckten wir einen der kleinen Vögel, der sich vorsichtig an den Eingang seiner schützenden Höhle wagte. Tordalken und Trottellummen nutzten dagegen schmale Felsspalten und Felsnischen als Brutplätze.
Gerade der Weg zwischen Brutplatz und Meer dürfte für die Papageitaucher und die anderen Alken besonders gefährlich gewesen sein. Die Seeadler spähten nicht nur von ihren erhöhten Sitzplätzen nach unten, sondern flogen auch immer wieder an den Felswänden und über den Hängen entlang. Dabei fiel uns auf, wie ungewöhnlich viele Seeadler sich rund um die Vogelkolonie aufhielten.
Seeadler (Haliaeetus albicilla) White-tailed Eagle
Rund um die Insel kreisten und rasteten sechs bis acht Seeadler. Bei den Brutvögeln waren sie wenig beliebt und wurden immer wieder von kleineren Vögeln attackiert.
Sturmmöwe (Larus canus) Common Gull
Sturmmöwe auf den Gjesværstappan: Gelblich-grüne Beine und ein schlanker Schnabel ohne roten Fleck unterscheiden sie von der größeren Silbermöwe.
Tordalk (Alca torda) Razorbill
Zwischen den zahlreichen Papageitauchern tummelten sich während unserer BirdSafari auch einige Tordalke. Kennzeichnend sind der kräftige schwarze Schnabel und die feine weiße Linie zwischen Schnabel und Auge.
Trottellumme (Uria aalge) Common Guillemot
Unter den auf dem Meer schwimmenden und nach Fischen jagenden Seevögeln befanden sich auch Trottellummen. Ihren ungewöhnlichen Namen verdanken sie möglicherweise ihrem an Land unbeholfen und „trottelig“ wirkenden Gang. Eine andere Erklärung führt ihn auf die sprachliche Umformung der französischen Bezeichnung „Guillemot de Troïl“ über „Troïl-Lumme“ zur heutigen „Trottellumme“ zurück.
Basstölpel (Morus bassanus) Northern Gannet
Auf den Felsen der Gjesværstappan brüten Basstölpel dicht an dicht. Der Namensbestandteil „Bass“ verweist auf die berühmte Brutkolonie am Bass Rock vor der schottischen Küste. Die Bezeichnung „Tölpel“ spielt auf das an Land unbeholfen wirkende Verhalten dieser Vögel an; eine weitere historische Erklärung bringt den Namen mit dem portugiesischen „bobo“ für „Dummkopf“ in Verbindung.
Für ihre Nester sammeln Basstölpel Pflanzenmaterial, Seetang und andere fadenförmige Stoffe aus dem Meer. Leider gelangen heute auch immer wieder Reste alter Fischernetze und andere Kunststoffe in die Nester. Darin können sich Alt- und Jungvögel verfangen und im schlimmsten Fall verenden.
Gryllteiste (Cepphus grylle) Black Guillemot
Gryllteisten im Prachtkleid vor den Gjesværstappan – gut zu erkennen an den weißen Flügelfeldern und den leuchtend roten Beinen.
Mantelmöwe (Larus marinus) Great Black-backed Gull
Mantelmöwen und andere Großmöwen nutzen die felsigen Schären von Gjesværstappan als Ruheplätze. Der dunkle Rücken und die rosafarbenen Beine machen die ausgewachsene Mantelmöwe unverwechselbar.
Kegelrobben (Halichoerus grypus) Grey Seal auf den felsigen Schären von Gjesværstappan. Zwischen den Wellen nutzen die Tiere die vom Meer umspülten Felsen als Ruheplätze – ein typisches Bild an der rauen Küste Nordnorwegens.
Dicht gedrängt schwimmen zahlreiche Alkenvögel vor den Felsen von Gjesværstappan. Zwischen Tordalken und Trottellummen fällt besonders der farbenprächtige Papageitaucher auf – mitten im lebhaften Treiben auf dem Meer.
Nach der Bootstour schälten wir uns wieder aus den warmen Overalls. Nach so viel Natur und frischer Seeluft hatten wir inzwischen ordentlich Hunger bekommen und beschlossen, noch einmal nach Honningsvåg zu fahren.
Unterwegs über die Hochebene: selbst Mitte Juni bestimmten große Schneefelder und tief hängende Wolken noch das Landschaftsbild.
Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) European Golden Plover auf der Straße durch die Hochfläche – eine typische Begegnung in der nordnorwegischen Tundrenlandschaft.
Zunächst führte uns die Straße wieder hinauf über die Hochebene, bevor wir in die serpentinenreiche Strecke einbogen, die vom Nordkapp hinunter ans Meer führt. Kurve um Kurve eröffnete sich ein grandioser Ausblick – doch allzu sehr durfte man sich davon nicht ablenken lassen. Auf dieser Strecke teilt man sich die Straße nicht nur mit Autos, sondern auch mit Radfahrern, Rentieren, Quads und Motorrädern.
Reisebusse waren an diesem Tag dagegen deutlich weniger unterwegs, denn im Hafen lag kein großes Kreuzfahrtschiff mehr. Die Costa Favolosa hatte inzwischen abgelegt.
Im Hafen von Honningsvåg liegen Fischerboote, Ausflugsschiffe und größere Arbeitsschiffe dicht beieinander. Eingebettet zwischen Meer und steilen Berghängen wirkt der Hafen trotz des regen Betriebs fast schon gemütlich.
In Honningsvåg parkten wir diesmal etwas zentraler und
suchten uns zunächst ein Restaurant am Hafen. Anschließend bummelten wir
hinüber zum Pier, wo an diesem Tag die Midnatsol von Hurtigruten lag.
Danach machte sich überraschend die Müdigkeit bemerkbar, und es zog uns zurück in die Wärme unseres Hotels. Dort sichteten und sicherten wir unsere Bilder und widmeten uns der Routenplanung für die kommenden Tage. Nun sollte es weiter in Richtung Vesterålen gehen. Vor uns lagen noch zahlreiche Tunnel und Pässe – und auch eine Fährüberfahrt.