10-James Bond - Auf der Suche nach dem Mornell

Auf der Suche nach dem Mornell

Norwegen 2019
Auf der Suche nach dem Mornell
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Unsere Route
Unsere Route 2018

10-James Bond

Reisetage
Was hat James Bond mit Ornithologie zu tun?
4.Juni  2019
Atlantershavsvegen
Schon zeitig am 4.Juni bauten wir ab und packten,  da wir an dem Tag ja noch einiges vorhatten. Die Mission Mornell hatten wir – innerlich klar, aber natürlich frustriert – beendet. Aber nur für diese Reise.
 
Heute ging es einfach ums Unterwegssein.
Es sollte über die Brücken der Atlantic Ocean Road und zurückgehen, dann wieder nach Molde und weiter mit der Fähre Richtung Alesund und mit Glück weiter nach Runde am selben Tag. Wir hatten im Vorfeld der Reise einiges über diese Brückenstraße gelesen:
Die Atlantic Ocean Road oder auch Atlantic Road ( auf Norwegisch Atlanterhavsvegen/Atlanterhavsveien ) ist ein 8,3 Kilometer langer Abschnitt der E 64, gebaut auf mehreren kleinen Inseln und Schären, verbunden durch verschiedene Dämme sowie acht Brücken – die berühmteste ist die Storseisundet Brua.
 
In den ersten Jahren des 20.Jahrhunderts war die Route als Eisenbahnlinie vorgesehen, bis dieser Plan aufgegeben wurde. Ernsthafte Planungen, hier stattdessen eine Straße zu bauen, begannen in bereits den 1970iger Jahren.
Atlanterhavsveien / Alantershavsvegen
Der Bau startete am 1.August 1983.  Während der Bauzeit von 6 Jahren und 11 Monaten wurde die Gegend von 12 hurrikanstarken Stürmen getroffen. Bei der Eröffnung am 7.Juni 1989 hatte das Projekt 122 Millionen Kronen gekostet. Davon stammte ein Viertel aus Mauteinnahmen und der beträchtliche Rest aus öffentlichen Geldern.
Die Einnahme von Maut war für 15 Jahre angesetzt, aber bereits im Juni 1999, knapp zehn Jahre nach der Eröffnung, war die Straße durch das erhöhte Besucheraufkommen abbezahlt und die Mautpflicht endete.
Mautgebühren für Tunnel und Straßenprojekte werden erhoben, sobald diese fertiggestellt sind und das bedeutet zum Beispiel auf neuen Streckenabschnitten, dass Fahrzeuge von Videokameras erfasst und das Kennzeichen fotografiert wird. Sobald sich der betreffende Straßenneubau durch die Mauteinnahmen finanziert hat, wird an dieser Stelle keine Maut mehr fällig.
Atlanterhavsveien wird als ein Kulturerbe geschützt und ist als nationale Touristen Route eingestuft. Sie ist ein beliebter Ort, an dem Automobilwerbespots gedreht werden und wurde zur weltbesten Autostrecke erkoren. Über 10 namhafte Automobilhersteller haben hier, gerne gerade angesichts der heftigen Witterungsbedingungen, gerne ihre Spots gedreht. Überdies bekam sie auch den Titel des „Norwegischen Jahrhundertbauwerkes“ verliehen.
Von Kristianssund aus gesehen beginnt Atlanterhavsveien in Utheim auf Averøy, nahe dem Ort Kårvåg. Sie verläuft über das Inselchen Kuholmen, über die 115-m lange  Little Lauvøysund Brua =Brücke auf das Inselchen Lille Lauvøy und setzt sich fort mit der 52 m langen Store Lauvholmen Brua und der gleich langen Geitøysund Brua nach Geitøya, wo es einen Aussichtspunkt und Parkplatz gibt. Weiter geht es über Eldhusøya Lyngholmen, bis die Strecke Ildhusøya erreicht. Hier gibt es ebenfalls einen Rastplatz, Parkplatz und Aussichtspunkt, mit Metallstegen rund um das Inselchen, um die Vegetation nicht zu zerstören. Die nächste und spektakulärste Brücke ist die freitragende Storseisundet Brua, die sich 260 Meter über einen Meeresarm schwingt. Unter der Brücke verläuft die Grenze zwischen den Kommunen Eide and Averøy.  Die Straße erreicht dann den Aussichtspunkt Flatskjæret, quert Hulvågen über die drei Hulvågen Bruas, diese sind zusammengenommen 293 lang. Die Straße verläuft weiter über Skarvøy and Strømsholmen, ebenfalls mit Parkplatz, bis sie dann das Festland über die The 119m lange Vevangstraumen Brua erreicht. (Quelle ist die englische Wikipedia)
Atlanterhavsveien / Alantershavsvegen
Bei dem Cafe` am Aussichtspunkt Ildhusøya waren an dem Tag Reinigungskolonnen unterwegs, die an der futuristischen und in die Landschaft eingelassenen Fassade mit Hochdruckreinigern arbeiteten. Drinnen war es gerade, nach Abfahrt mehrerer Touristenbusse, erstaunlich ruhig und wir gönnten uns einen Cappucino.
 
Im Small talk mit der Frau hinterm Tresen erfuhren wir den Grund für die Hochglanzarbeiten und für die Sperrung der folgenden Tage: Dreharbeiten für den 25. James Bond Film. Inzwischen ist dazu einiges pressetechnisch öffentlich. Unter anderem, dass es Aufnahmen von Bonds legendärem Aston Martin mit einem Double  von Daniel Craig und mit der spektakulären Storseisundet Brua gab und dass Agent und Brücke im nächsten „James Bond“ unter dem Titel "No time to die" im April 2020 zu bewundern sein werden.
Was hat James Bond mit James Bond zu tun?
James Bond, ein Geheimagent und ein Ornithologe –nicht in einer Person, aber mit einer wichtigen Querverbindung. Und dies war die ornithologische Begeisterung des Autoren James Fleming, der die Person des Geheimagenten James Bond ( gerührt, nicht geschüttelt ) geschaffen hat.
Der US-amerikanische Ornithologe James Bond (1900 – 1989) war ausgewiesener Kenner und Experte der karibischen Vogelwelt. Sein Buch „Birds of the West Indies“ erschien erstmals 1936.

Der Autor Ian Fleming lebte auf Jamaika, nutzte als begeisterter Vogelbeobachter eben dieses Buch von James Bond „Birds of the West Indies“. 1953 schrieb Fleming an seinem Roman Casino Royale und suchte für die Hauptfigur, einen Agenten, nach einem Namen. Anforderungsprofil: prägnant, britisch, maskulin. Fleming fragte den Ornithologen Bond, dessen Name ihm passend schien, ob er seinen Namen (James Bond) für seinen Agenten verwenden dürfe. Seitdem war der Agent im Dienste seiner Majestät, der Queen, weltweit in verschiedensten Undercover Missionen unterwegs, während sein Pate im Dschungel nach seltenen Vögeln ebenfalls undercover suchte.
Im zwanzigsten Film der James-Bond-Reihe (Stirb an einem anderen Tag) tritt der Geheimagent James Bond auf Kuba als Ornithologe auf und hat das Buch des Ornithologen James Bond dabei.  So kam es, dass ein ornithologisches Buch unter den Fans des Agenten Kultstatus bekam und speziell diese im Film gezeigte Ausgabe begehrt ist.

Persönlich begegneten sich Ian Fleming und der Ornithologe James Bond am 5. Februar 1964, wenige Monate vor Flemings Tod im August 1964. Der Ornithologe besuchte ihn in seinem Anwesen Goldeneye auf Jamaika. Ian Fleming schenkte ihm bei diesem Besuch einen James Bond Roman, der die Widmung : “To the real James Bond, from the thief of his identity”  ( für den realen James Bond, vom Dieb seiner Identität ) trug.

Aber nicht nur für den Agenten ihrer Majestät stand James Bond Pate, sondern auch für eine Unterart des Graudrongo Dicrurus leucophaeus bondi, für eine Drongounterart (Süd Vietnam, Südlaos und Ostthailand)  und 1978  wurde Bond zu Ehren eine Schleiereule auf Isla di bahia als Tyto alba bondi benannt.
Auf einer der zugänglichen Inseln an denen die Straße vorbeiführt:
Auf einer der zugänglichen Inseln an denen die Straße vorbeiführt:
Strandpieper (Anthus petrosus), Wiesenpieper (Anthus pratensis)
Kviltorp Camping
Hafen Molde
Zeltplatz Molde
Fährhafen Molde

Molde
Molde von See aus
Unsere Fahrt führte uns zu neuen Zielen: Zurück aufs Festland und Richtung Molde, wir winkten unserem Zeltplatz dort zu und fuhren direkt weiter zum Fährhafen und ohne Verzögerung direkt auf die Fähre nach Vestnes.
Hier konnten wir die nächste halbe Stunde ausruhen, Kaffee trinken und die moderne Architektur Moldes hinter hochhaushohen Ozeanriesen an uns vorbei ziehen lassen, auf die weite Wasserfläche des Fjords hinausschauen, die unter einem lichtgrauen Himmel glatt dalag. Mit dem Ablegen ließen wir auch unsere Suche nach Mr.Mornell hinter uns und verabschiedeten uns von der Erwartung, ihn zu Gesicht zu bekommen. Neue Horizonte winkten. Und ein neues Ufer am Ende des Fjords.
Auf der Fähre
Auf der Fähre
Vestnes in sicht
Wieder mit festem Boden unter den Reifen ging es Richtung Alesund und Runde bergauf, bergab, mit zahlreichen Kurven und Steigungen, es regnete meistenteils und die Wolken hingen tief vor den Bergen. Sobald hier und da die Wolkendecke aufriss, kämpfte sich die Sonne durch und das Wasser der Fjorde lag erstaunlich glatt da, schimmerte lichtgrau.  Auf der nächsten Fähre, wieder bei Kaffee und Tee, konnten wir eine kurze Pause einlegen. Es war frisch und es regnete immer noch, als wir Richtung Fosvanag weiterfuhren, allmählich kam uns die eine oder andere Bucht bekannt vor, wie auch die Remoybrua, die sich zierlich und elegant über einen Meeresarm schwingt. Und dann fuhren wir in einen einspurigen, dunklen und in den Fels gehauenem Tunnel und danach wieder ins Helle,  und über die Runde Brua. So hatten wir an diesem Brückentag nicht nur 2x sieben Brücken am Atlanterhavsveien, sondern insgesamt 16 dieser eindrucksvollen Brücken im Atlantik überquert. Dabei galt übrigens die 28 m hohe und 428m lange einspurige Runde Brua bei ihrer Eröffnung umgerechnet auf die Einwohnerzahl der Insel als die teuerste Brücke Norwegens.  Sie hatte seinerzeit 62  Millionen Norwegische Kronen gekostet, also die Hälfte von dem, was der Atlanterhavsveien gekostet hat,  ist aber auch mittlerweile mautfrei.
Auf Runde
Steinadler (Aquila chrysaetos)
Gleich zu Beginn begrüßte uns ein Steinadler (Aquila chrysaetos), der die Klippen nach unbeaufsichtigten Nestern der Silbermöwen abklapperte.
Zeltplatz Runde
Diesmal war der Zeltplatz deutlich voller, aber wir konnten uns dank Zelt für die Wiese unterhalb der Klippen entscheiden, das Auto parkten wir unweit davon, der Weg sowohl zu den Toiletten als auch zur Küche führte praktischerweise am Auto vorbei.
Schild am Gartenzaun
Schild am Gartenzaun
Nachdem wir uns eingerichtet hatten, zog es uns zu den Vogelfelsen, auch da der Regen sich gelichtet und der Himmel aufgeklart hatte. Es tat uns gut, wieder in Bewegung zu kommen und in Bewegung zu sein. Wer gerne bergwandert, ist auf Runde gut aufgehoben, da alle Wege irgendwie nach oben führen, teilweise mit hochprozentiger Steigung.  Wir passierten die Glashäuser der Gärtnerei, bogen von der Küstenstraße nach links auf den kleinen Wanderweg ab, kleine selbstgemalte Infotafeln an einem Gartenzaun informierten über die Vogelwelt und die Pflanzen, das bot eine kleine Pause vor dem Anstieg.
Dann ging es steil bergan, entlang eines von Sumpfdotterblumen gesäumten Baches, der früher wohl auch eine Mühle angetrieben hatte, der hölzerne Schuppen jedenfalls stand noch am Weg und eine Tafel wies auf das Mühlrad im Inneren hin und seine historische Bedeutung. Wir querten dann mehrere Weidezäune, im Zickzack gewann der asphaltierte Weg an Höhe, um dann in einen Grasweg mit Granitfelsplatten überzugehen, die wie eine natürliche Treppe angelegt waren, eine beachtliche Leistung, denn irgendjemand musste ja diese Platten hochgewuchtet und mit Metallankern befestigt haben. Wir hielten natürlich auch immer wieder inne, denn die Abstände der Felsplatten waren unterschiedlich, manchmal war dazwischen auch der Boden etwas weich und rutschig, oder eine Platte hatte sich abgesenkt.
Runde (Ort) von oben
Schild am Gartenzaun
Zudem fesselte jetzt eine besondere Flugsilhouette unsere Aufmerksamkeit, bussardgroß, aber mit spitzen Flügeln und einem spatelförmigen Stoß und dunkelbraunem Federkleid, es waren Skuas, die kreisten, im Balzflug ihre Kräfte maßen und ihre Reviere absteckten.  Ihre Flugsilhouette veranlasste offenbar die anderen Vögel, sich weg zu ducken.
Große Raubmöwe / Skua (Stercorarius skua)
Große Raubmöwe / Skua (Stercorarius skua)
Nur die Mutigsten, zwei Feldlerchenmännchen und eine Bekassine sahen und hörten wir nur kurz. Die Skuas, die wir 2010 zu sehen hofften und nicht gesehen hatten, jetzt schienen sie hier auf dem Eiland dominant und durchaus sogar größeren Greifvögeln gewachsen. Sie nisteten teilweise praktisch neben dem Weg. Wir wunderten uns, sie so nahe vor der Linse zu haben und hielten trotzdem Abstand.
Feldlerche (Alauda arvensis)
Oben an den Klippen faszinierten uns aufs Neue die Ausblicke auf die Vogelfelsen, vor denen eine Wolke von großen weißen  Vögeln kreiste. Es waren Baßtölpel, die sich  von ihren Nestern auf den Felssimsen aus von der Thermik hinaus auf See tragen ließen und dort im Sturzflug Fische erbeuteten. Unten auf der Meeresoberfläche schwammen Tordalke, sie nisteten ebenfalls in der Felswand. Wir wanderten und kletterten auf dem stark frequentierten und durch Seile und mit Steg und Geländer versehenen Steig zu einer Felsnase, von der aus die Felsen und die Nisthöhlen der Papageitaucherkolonie gut einsehbar waren. Überall, wo es zwischen den Felsen Gras und Erde gab, waren deren Wohnhöhlen in den Hang gebaut und davor, in der Abendsonne als Fotomotiv saßen Puffins, putzten sich oder flogen gerade in ihrem clownesken Habitus los.
Basstölpel (Morus bassanus) Kolonie
Pappageitaucher (Fratercula arctica), Tordalk (Alca torda), Basstölpel (Morus bassanus)
Pappageitaucher (Fratercula arctica), Tordalk (Alca torda), Basstölpel (Morus bassanus)
Kleinvögel wie Fitis, Bachstelzen und Pieper sahen wir dann erst wieder unten an der Straße, im Schutz der menschlichen Behausungen und Gärten.
Bevor wir ins Zelt schlüpften, buchten wir noch für den nächsten Tag die Bootsfahrt auf der Aquila. Dann kamen wir allmählich zur Ruhe nach diesem intensiven und langen Tag mit Autofahrten, Zeltaufbau und Wanderung zu den Vogelfelsen.
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