Mongolei — im Tempel

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Kaufhaus und Tempel

Ulaan Bataars im Artdeco-Stil bietet die Elektronikabteilung mit Flachbildfernsehern im Heimkinoformat und die Haushaltswarenabteilung gibt Aufschlüsse über Kaufgewohnheiten. Zwischen den I-Pods und Walkmans begutachten zwei halbwüchsige buddhistische Mönche in ihren roten Gewändern die Preisschilder.
Als wir uns dann nach dem Kaufhausbesuch durch die Hitze schleppen ( ohne Fernseher ) , Richtung Hotel,  beobachten wir, wie Ruhe, Kühle und Schatten bieten uns dann der buddhistische Tempelbezirk. Hunderte, ja tausende besuchen die weltweit größte stehende Buddhastatue. Auch junge, elegant und städtisch gekleidete junge Frauen bringen ihre Gebetsanliegen zu den Mönchen. Tauchen ein in das von Weihrauch- und Butterteearomen gesättigte Dunkel. Auch wir legen einige Scheine in die Glaskästen. Drehen an den Gebetsmühlen. Sind einfach froh, dass es am nächsten Tag wieder nach Hause geht.


 


Hier hob ich ab, hier komm ich an. Berlin, Du Dorf im Größenwahn. (City: Einmal um die Erde und zurück ).Es ist verlockend, sich am neuen Berliner Hauptbahnhof in den großzügigen ShoppingMalls herumzutreiben und bis zur Abfahrt unseres ICE dem Luxus zu frönen. Dieser kleine dekadente Winkel unserer Seelenlandschaft tut sich in uns auf angesichts von Parfümerien, Cappucino, Zeitungen und Büchern, Obst und Thunfisch-EissalatWraps, die sich hier nicht nur einer sehr kaufkräftigen Oberschicht darbieten. Unser Wildnisparfüm haftet uns, trotz einiger Badeorgien, immer noch an. Dies verdanken wir unserer Kleidung, die wir teilweise bis zu zwei Wochen am Körper trugen. Die T-Shirts, die beim Trocknen wie Gebetsfahnen im mongolischen Wind wehten und nur ab und zu gewaschen wurden, haben immer noch eine leichte Staubpatina, weil die Luft eben von diesen Partikeln aus Sand angereichert war.

Vor dem Berliner Hauptbahnhof
Vor dem Berliner Hauptbahnhof

Auch unsere Erfahrung hat sich angereichert, hat Spurenelemente dieser Landschaft und des Erlebens mit und in ihr aufgenommen. Wie, das zeigt der Alltag. Einerseits Gelassenheit und das Hochschätzen nicht selbstverständlicher Luxusgüter wie einer fließenden Dusche ( und Gelassenheit, wenn der Wasserstrahl der Dusche im städtischen Freibad mal eher schwächelt und das Wasser nur lauwarm fließt ). Aber auch ein Stück mehr Widerständigkeit gegenüber irgendwelchen Zickereien des zwischenmenschlichen Umgangs und gegenüber einer gewissen Jammer -  und „das macht mir keinen Spaß mehr“ Kultur.

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