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Im Ferienlager

Und bringt uns in einem ehemalig sozialistischen Ferienlager unter, an einem See, eine Nomadenfamilie bewirtschaftet das Anwesen und hat wenigstens schon eine der kleinen Hütten instand gesetzt und eine Gästejurte aufgestellt. Hier verteilen wir uns mit unseren Decken und Schlafsäcken. Wir drängen uns in dem Touristenger um einen kleinen schwarzen Ofen, den wir eifrig mit Kuhfladen füttern, als wir dann noch mit Holz nachlegen, erscheint unsere Gastgeberin, entsetzt, weil oben zum Kaminrohr die Funken heraussprühen. Holz sei der Ofen nicht gewohnt. . Der Speisesaal im Haupthaus wird inzwischen zu Gambas Kochzentrale und zum wärmenden Zentrum. Wir essen und trinken, als obs ums Leben ginge. Das tut es auch irgendwie. Jeans beginnen in die Kniekehlen zu rutschen.
 Denn jeder Weg ins Freie konfrontiert mit der Kälte und dem Wind und geht an die Substanz. Alle Kleiderschichten am Körper reichen gerade so.
Die Gastgeber bemühen sich sehr um uns. Kaputte Glasscheiben werden feierlich ausgetauscht, Pappe durch Plastik ersetzt.

Vorbereitungen im Gemeinschaftssaal
Scheiben werden ersetzt
Im Gemeinschaftssaal
Gamba hat seine Küche im Gemeinsschaftsraum
untergebracht.

Und eine Delegation älterer Herren mit würdigen Spitzhüten erscheint, der Leiter des Nationalparks begrüßt die unter uns, die drinnen geblieben sind. Die Hardcore-Ornis harren bereits wieder draußen aus.
Das ehemalige Ferienlager soll offenbar zum Zentrum für Naturerlebnistourismus aus – und aufgebaut werden. Ein Naturerlebnis sind die zahlreichen Spatzen, die im Obergeschoß unserer kleinen Datsche Zuflucht vor Schneeregen und Wind gesucht haben und von denen sich der eine oder andere zu uns nach unten verirrt und desorientiert zwischen uns umherfliegt. Nachts wärmen wir uns unter Filzdecken und haben auch im Schlafsack unsere Jacken anbehalten. Draußen trommelt der Schneegraupel gegen die Einfachglasscheiben. Wir stellen uns lieber nicht vor, wie eine weitere Nacht im Zelt verlaufen wäre. Auch diese Nacht und der darauffolgende Tag fordern ihren Tribut in der Vogelwelt.

Auffällig viele Weihen, streichen übers Schilf, sie warten darauf, dass geschwächte kleinere Vögel sich zum notwendigen Fressen aus der Deckung wagen. Einige dieser kleinen Opfer gehen auch aufs Konto des Braunwürgers, der sie als Vorrat dekorativ aufspießt. Weil wir an diesem Tag nicht weiterfahren, aber auch nicht die ganze Zeit im Camp verbringen möchten, fährt unser Konvoi Richtung Osten, zum tiefsten Punkt der Mongolei.

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