12 Bluetail - Finnland 2018

Entdeckungen entlang der Via Karelia

Birdwatching along the Via Karelia
Entdeckungen entlang der Via Karelia
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Unsere Route
Unsere Route 2018
Bluetail
Die Fotosafari der Engländer
17.Juni 2018

Um den Bluetail doch noch zu finden, hat uns Lassi eine Fotosafari vermittelt, bei der wir uns anhängen dürfen. Diese Fotosafari hat als eines ihrer Ziele auch den „Bluetail“.  Es sind englische Fotografen, die mit einem Guide und einem Fahrer in einem Kleinbus vorn weg fahren und wir, so ist es vereinbart, sollen mit unserem PKW hinterher fahren. Erstes Ziel der Bluetail, der Fahrer kennt wohl eine Stelle im Wald, wo er ihn letztes Jahr gesehen hat.

Aufbruch am Morgen:


Wir fahren mit hoher Geschwindigkeit einige Schotterstraßen entlang in den Wald hinein. Eine Staubwolke weht hinter dem Kleinbus hinterher, lose Steine spritzen zur Seite. Und wir mitten hinein.
Die Steine schlagen gegen unseren Unterboden und die Radkästen. Wir haben Sorge um unsere Windschutzscheibe und den Unterbodenschutz, doch wir wollen den Anschluss nicht verpassen und brettern hinter dem Bus hinterher.
Bis wir irgendwo im Wald an einer Stelle halten. Wir steigen aus. Sofort umzingeln uns Milliarden geflügelter Plagegeister, auch muss in der Nähe ein  Hornissennest sein, denn diese begutachten uns auch noch zusätzlich interessiert. Es ist warm.
Und da, wieder der melodisch abfallende Gesang "Diiii die die die die".  
Der Bluetail.
Die englischen Fotografen nehmen ihre Kameras und richten diese auf die Baumwipfel aus.
Lt. Literatur soll sich das singende Männchen exponiert in den Baumspitzen aufhalten. - Soll- sich aufhalten-, tut er aber nicht. Wir haben ihn noch nie an einer exponierten Stelle gesehen.
Der Gesang ist stetig, bis er aufhört.

Stille. ...

Die Kameras sinken wieder zu Boden. - Nach einiger Zeit des Wartens steigt die englische Reisegruppe wieder in den Bus mit der Auskunft: "We come back". Sie haben heute noch andere Ziele.
Wir bleiben allein in der Wildnis zurück. Ein wenig ratlos stehen wir umschwirrt von Mücken und Hornissen herum.
Ja und nun? Wird‘s doch nichts mehr mit dem „Bluetail“. Na ja, bekannte Situation: Gesang ja, aber kein Vogel in Sicht. Wir nehmen uns vor, doch noch einmal den Koli Nationalpark zu besuchen, um dort unser Glück ein letztes mal zu versuchen.
Dort haben wir ihn ja auch gehört - aber eben auch nicht gesehen.
Hier wird's jedenfalls nichts mehr.

Stille. ...

Mehr aus Langeweile und dem „Jetzt sind wir schon hier, so ganz umsonst sollte es nicht sein“ laufen wir in den Wald, steigen über mehrere querliegende Baumstämme.
Da fliegt ein dunkler Vogel vor uns vorbei mit etwas Weiß an der Stirn.
"Immerhin wenigstens einen Trauerschnäpper".*
Den hatten wir dieses Jahr auch noch nicht.
Lutz schaut durchs Fernglas, um die Vermutung zu bestätigen.
"Moment mal, sind denn die Trauerschnäpper hier in Finnland auf der Oberseite blau? " " Und die Flanke ist ja orange".
Das ist er! Der "Bluetail", Blauschwanz, Tarsiger cyanuras, Sinipyrstö, Red-flanked bluetail!
Endlich.
Jetzt haben wir ihn.
Ein Phantom in den Baumwipfeln. Nur die Stimme hat uns gesagt, dass er da ist, da sein muss.
 
 Blauschwanz (Tarsiger cyanurus) Red-flanked bluetail Sinipyrstö
Um Ihn zu entdecken haben wir einige Touren an mehreren Stellen in Finnland unternommen, viele Stunden an Zeit aufgewendet, etliche Auskünfte an Nationalparkverwaltungen und bei Einheimischen eingeholt und haben uns an eine fremde Exkursion angehangen um nun fast zum Schluss den Bluetail doch noch zu Gesicht zu bekommen.
Wir hatten hier eigentlich schon aufgegeben.
Aber in den Baumwipfeln haben wir ihn nicht gefunden. Eher im unteren Drittel des Waldes.
Der Bluetail gehört übrigens wie der Trauer- oder Grauschnäpper zur Familie der Schnäpper (so richtig geklärt ist das wohl noch nicht) und kommt von Ostfinnland über Sibirien bis nach Japan vor. In Mitteleuropa tritt er nur ausnahmsweise als Irrgast auf.
Wir machen etliche Fotos und laufen dann entspannt zum Auto.
Und fahren ab. Unser Navi führt uns aus dem Wald.
Unterwegs teilen wir Lassi mit, dass wir den Bluetail nun entdeckt haben, und dass die englische Gruppe nur an die bekannte Stelle zurückkehren braucht, um den Bluetail auch zu fotografieren.
Am Nachmittag dieses Tages mit sehr frühem Aufstehen und dem ornithologischen Highlight entspannen wir im Café des Zeltplatzes und sichten Fotos. Da es warm geworden ist und auch der See mittlerweile gut temperiert ist, lädt sein weiches leicht moorig goldbraunes, aber klares Wasser ein zum Schwimmen.
Danach Grillen an dieser phänomenalen Feuerstelle, die etwas von High Class und Luxusresort an sich hat, auch wenn es wieder einfach Grillwürstchen gibt. Die Stimmung ist eine Beilage, die das Ganze abrundet und vergoldet.
 
Erlenzeisig (Spinus spinus)
Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
Ristijärven Pirtti Camping
Erlenzeisig (Spinus spinus)
Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
Grauschnäpper (Muscicapa striata)
Grauschnäpper (Muscicapa striata)
Ristijärven Pirtti Camping
Ristijärven Pirtti Camping
64.490115,28.178403
GMS  N 64°29'23.923" O28° 10'40.878"

*

Der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca)
hat auch an der Stirn zwei weiße "Lichter"
und wirkt im Flug etwas dunkel.
[Foto: Uta-Elisa & Lutz Schmechta Finnland 2015)

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