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Zu Besuch beim Wachtelkönig - Nordost-Polen 2026

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 2026 Nordost-Polen 
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2026 Nordost-Polen
20. Mai 2026

Zu Besuch beim Wachtelkönig

Written by Lutz und Uta Schmechta

Brutkolonien der Trauerseeschwalben und Weißbart-Seeschwalben, und die Begegnung mit dem Elch.
Seine Majestät der Wachtelkönig – selten geworden in Europa, aber hier in Polen noch heimisch.



- Reisebericht -
20.Mai 2026
Nach einer kleinen Morgenexkursion,  die nichts Neues ergab, gingen wir zum Frühstück. Trotzdem war es jedesmal entspannend, an den Hühnern und der Freiluftgalerie vorbei zu gehen. Die Eulen und alle anderen Freiluftbilder wie auch z.B. die Kampfläufer hat übrigens unser polnischer Guide Piotr selbst gemalt.
Nach dem Frühstück ging es im Sichtschutz von Piotrs Bus in langsamer Fahrt über die Sandwege von Gugny, zuerst in die eine Richtung zu einer potentiellen Schreiadlerwiese und dann – leider ohne Ergebnis – zurück. Und hier, in Sichtweite unseres Quartiers auf einem hohen Baum entdeckten wir einen adulten Raubwürger mit seiner prägnanten Zorromaske und unter ihm den noch etwas aufgeplusterten und leicht pummligen Jungvogel im Jugendkleid. Weil der Baum in der Krone eher kahl war, konnten wir beide gut beobachten und bestimmen.
Nun fuhren wir weiter zu einem Altwasserarm der Biebrza. Hier hatten Trauerseeschwalben auf Sumpfpflanzen ihre schwimmenden Nester angelegt

Raubwürger (Lanius excubitor) Great Grey Shrike
unten: ein Jungvogel
Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) Black Tern
in der Brutkolonie
Uferschwalbe (Riparia riparia) Sand Martin
Rauchschwalbe (Hirundo rustica) Barn Swallow
Gegenüber des Altwasserarms lag eine Siedlung, an dessen Stromdrähten saßen Ufer- und Rauchschwalben.
Haussperling (Passer domesticus) House Sparrow
Wir umrundeten  das Gewässer mit Blick auf die Seeschwalben, entdeckten einen Kuckuck in einem Gehölz, wichen einer Kuhherde aus, um dann in der Nähe des Dorfes wieder in den Bus zu steigen.
Kuckuck (Cuculus canorus) Common Cuckoo

Der Maikäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer. Es gibt den Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) als in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Art und den Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani).
Verbreitung und Lebensraum
Maikäfer kommen in ganz Mittel- und Nordeuropa sowie in den gemäßigten Zonen Asiens vor und besiedeln vor allem Laubwälder. Die Blätter der Bäume bieten den Käfern Nahrung. Die Wurzeln den Larven. Auch in Deutschland, vor allem in Südwestdeutschland gibt es periodisch Maikäferjahre mit Milliarden ausschwärmender und sich paarender Maikäfer. Von der Natur ist dieses Phänomen des massenhaften Auftretens gut geplant und auch beabsichtigt:
Maikäfer durchlaufen nämlich im Boden als eiweißreiche Engerlinge eine mehrjährige Larvenphase. Erst wenn dieser Zyklus - je nach Art und Umweltbedingungen sind es ca. drei bis fünf Jahre - abgeschlossen ist, schlüpfen die adulten Käfer. Sie tun es gleichzeitig und sie tun es in großer Zahl. Dieses periodische Ereignis verhindert, dass die Population durch zu häufiges Auftreten und damit verbundene Nahrungsknappheit zusammenbricht.
Durch das massenhafte Auftreten werden auch die Prädatoren überfordert, so viel können sie gar nicht fressen wie Maikäfer (in einem kurzen Zeitraum) vorhanden sind. Auch der unklare mehrjährige Abstand des Massenauftretens hat seine Gründe. So kann sich kein Fraßfeind darauf einstellen, wann nun das massenhafte Auftreten stattfindet.
Somit bleiben immer noch genügend Käfer übrig, um sich fortzupflanzen.

Weiterhin, durch das seltene und zugleich massenhafte Auftreten wird sichergestellt, dass genug Nahrung (Blätter) und Partner für die Fortpflanzung vorhanden sind. Bäume werden zugleich Schlaraffenland als auch Liebeslaube der rotbraunen Brummer. Dies war das Bild, das sich uns an diesem Tag darbot.
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) Common Cockchafer
Wir steuerten das Gebiet rund um eine ehemalige landwirtschaftliche Genossenschaft an, hier waren wir 2017 schon einmal auf Entdeckungstour gewesen und hatten vom nahegelegenen Damm seinerzeit Wiedehopfe beobachtet. Diesmal wartete in dem Gehölz nahe des Damms eine andere Überraschung auf uns...
Im Anschluss an das Maikäfererlebnis und eine kleine Mittagspause erkundeten wir eine vielseitige Landschaft mit Blühwiesen und Gewässerzonen. In den Feuchtgebieten nisteten Trauerseeschwalben und Weißbart- Seeschwalben auf den schwimmenden Blattpflanzen. Silberreiher flogen auf. Eine Rohrweihe wurde als Störfaktor von den Seeschwalben attackiert. Die Brutsaison war in vollem Gang. An einer Stelle waren schon die Höckerschwäne dabei, ihre Jungen auszuführen.
Rohrweihe (Circus aeruginosus) Western Marsh Harrier
Silberreiher (Ardea alba) Great Egret
Weißbart-Seeschwalbe (Chlidonias hybrida) Whiskered Tern
Die Weißbart-Seeschwalben brüten inmitten einer Trauerseeschwalbenkolonie.
Höckerschwan (Cygnus olor) Mute Swan
Der Tag brachte noch weitere Entdeckungen. Wir hatten überlegt, wegen der Suche nach Elchen auch einmal früh aufzustehen. Das war so für den folgenden Morgen angedacht. Doch wir hatten Glück. Welch eine Überraschung. Am helllichten Tag stand da tatsächlich eine Elchkuh, die erst nach längerer wechselseitiger Betrachtung ganz gelassen weiterlief. Auch wir wanderten weiter. Ein Stück weit ins Gebiet hinein. Entdeckten Schafstelzen, suchten nach großen Brachvögeln.
Schafstelze (Motacilla flava) Yellow Wagtail
Elch (Alces alces) Moose
Brachvogel (Numenius arquata) Eurasian Curlew
Schreiadler (Clanga pomarina) Lesser Spotted Eagle
Auf dem Rückweg zum Bus flog erst ein Schreiadler über uns hin weg, auch ein Brachvogel flog rufend über die Felder.
Buntspecht (Dendrocopos major) Great Spotted Woodpecker
Als wir nach all den Exkursionen  zurück zur Pension kamen hüpfte ein Buntspecht vor dem Eingang herum und sammelte die ganzen Körner auf, die eigentlich für die Hühner gedacht waren.
Der Hofhahn war verwirrt. Er krähte, wurde aber vom Specht ignoriert.
Nun, auch auf uns wartete ein Abendessen. Schließlich hatten wir auch noch etwas vor…
Heute wollten wir den Wachtelkönig besuchen.
So gingen wir an den Kofferraum unseres Autos und zogen, wie schon  2017, unsere Gummistiefel an. Damals liefen wir zu den nahe gelegenen Moorwiesen. Dann warteten wir auf den Wachtelkönig und der  Moorboden unter unseren Füßen machte leise Geräusche. Fast wie ein Organismus, der glucksende Verdauungsgeräusche von sich gab. Und dann riefen gleich mehrere Wachtelkönige.
Diesmal quietschte und quatschte kein fetter Moorboden unter unseren Gummistiefeln. Das Moor war ausgetrocknet, kein Wachtelkönig war zu hören - und auch nichts anderes. Wir brachen ab und liefen zum Bus zurück. Dann fuhren wir ein Stück zur Hauptstrecke und nach links, bis Piotr rechts anhielt und wir nach links auf einem Wiesenweg in eine der Feuchtwiesen auf einem Trampelpfad hineinliefen. Frösche quakten- und auch mehrere Wachtelkönige riefen. Gut. Und dann begann das aktive Warten auf den Wachtelkönig.
Hier rief kein Wachtelkönig mehr. Der Bewuchs zu niedrig, der Boden zu Trocken. Wir kehrten um, und fuhren einige Kilometer die Straße entlang.
Wachtelkönig (Crex crex) Corn Crake
Nachdem wir  aus dem Bus ausstiegen gingen wir auf die andere Straßenseite.
Hier hörten wir endlich das krax krax, der Ruf des Wachtelkönigs. Wir gingen bei der nun eingebrochener Dunkelheit ins Gelände.
Der Mond und die entfernt scheinende Straßenbeleuchtung ließ uns das Gebiet wahrnehmen. Wir schauten nach dem Rufer.
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