14. und 15. Mai 2026
Ankunft und erste Exkursionen am Białowieża-Nationalpark

Written by Lutz und Uta Schmechta
Im Nutzwald und angrenzende Gebiete. Der Doppelschnepfenbalzplatz
- Reisebericht -
15.Mai 2026
Am ersten Morgen wachten wir früh auf, der Wiedehopf war schon vor uns wach und sein Bupbup BupBup in verschiedenen Varianten und Abstufungen gab diesem sonnigen Morgen seinen Charme. Von der naheliegenden Flussaue der Narewka rief ein Kranich. Auch im Starennest unter dem Vordach waren sie schon wach. Am Vorabend hatten wir die Altvögel wiederholt mit Raupen und ähnlich Nahrhaftem einfliegen sehen, und dann mit den weißlichen Kotsack der Jungvögel wieder raus. Wir machten uns also fertig und gingen vor dem Frühstück noch zur Morgenexkursion, an der Dorfstraße von Stare Lewkowo schauten wir hoch zum Storchennest auf der Laterne. Ein Storch saß . vielleicht auf den Eiern oder huderte die Jungen – der andere stand. Geklappert wurde auch kurz. Wir bogen ab in einen Sandweg hinter unserer Pension.Schon in der einen Stunde vor dem reichhaltigen Frühstück konnten wir ornithologisch aus dem Vollen schöpfen: Schafstelze, Heidelerche, Wiedehopf und Wendehals.
Unser Zielgebiet mit Białystok und Urwald von Białowieża.
Ankunft in unserer kleinen Pension.
Star (Sturnus vulgaris) Starling
In diesem Haus wohnt er als "Untermieter".
Unser morgendlicher Exkursionsweg
Wendehals (Jynx torquilla) Eurasian Wryneck
Schafstelze (Motacilla flava) Western Yellow Wagtail
Heidelerche (Lullula arborea) Woodlark
Wiedehopf (Upupa epops) Hoopoe
Nach diesem erfolgreichen Start in den Tag und Frühstück war unser erstes Ziel ein kleines Waldstück in der Umgebung.
Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) Eurasian Pygmy Owl
Kleiber (Sitta europaea) Eurasian Nuthatch
Die Kleiber hier sind an der Unterseite weiß.
An einigen Feldfluren und Angrenzenden Baumreihen konten wir noch typische Feld und Flurvögel entdecken. Wie den Ortolan und die Wiesenschafstelze.
Ortolan (Emberiza hortulana) Ortolan Bunting
Schafstelze (Motacilla flava) Western Yellow Wagtail
Dorngrasmücke (Curruca communis) Common Whitethroat
und
Schafstelze (Motacilla flava) Western Yellow Wagtail
Uferschwalbe (Riparia riparia) Sand Martin
Die Uferschwalben benötigen Steilabbrüche wie sie z.B. auch an Sandgruben vorhanden sind. Dort graben sie ihre Bruthöhlen in den weichen Sand. Ein Flussufer oder Wasser muss dabei nicht vorhanden sein, wie der Name es vielleicht erwarten ließe.
Nach dem Abendessen ruhten wir etwas aus, danach zogen wir unsere Gummistiefel an. Gleich heute sollte ein Highlight der ganzen Reise sein.
Wir wollten einen Balzplatz der Doppelschnepfe besuchen.
Die Doppelschnepfe ist eine der seltensten Limikolen Europas. Sie ist der Bekassine sehr ähnlich, ist im Feld kaum von ihr zu unterscheiden und hat bei ungefähr gleicher Größe nahezu das doppelte Gewicht. Also Doppelgänger der Bekassine, doppeltes Gewicht: Doppelschnepfe.
Die Doppelschnepfe hat aber ein ganz anderes Balzverhalten als die Bekassine. Es ist eine spektakuläre Gruppenbalz am Boden auf sogenannten Balzarenen. Vielleicht ähnlich dem der Kampfläufer - aber eben bei Dunkelheit. Es ist ein sehr intensives spätabendliches bzw. nächtliches Ritual - und eines der seltensten und spektakulärsten und erstaunlichsten Naturereignisse, die man noch in Europa erleben kann. Und das wollten wir uns heute anschauen.
Wir fuhren im Bus einige Zeit, bis wir mitten im Gelände an einem Busch ausstiegen. Es war kurz vor der bzw. in der Dämmerung. Ein Sprosser sang sein melodisches Lied. Zwei Waldschnepfen zogen nahe einem Waldrand ihre Runden. Von einem fernen Gehöft war Hundegebell zu hören. Oder war es doch ein Rehbock in der Brunft, dessen Ruf stark an ein entfernt bellenden Hund erinnert.
Jedenfalls schritten wir stillschweigend durch Gras und sumpfiges Gelände.
Irgendwann waren wir da. Aus der Entfernung hörten wir schon einiges Klappern. Durch das Fernglas sahen wir in der aufkommenden Dunkelheit schemenhafte Figuren, die im flachen Gras umhersprangen. Es waren die Doppelschnepfen. Bei stärkerer Dunkelheit schaltete unser Guide seine Taschenlampe an und im Schein des Lichtes balzten die Doppelschnepfen. Die Männchen ließen ihre etwas klappernden - oder scheppernden Rufe hören. Die Weibchen schienen am Rand der Arena herumzulungern und sich das Gebaren der potenziellen Partner anzuschauen. Die Doppelschnepfen waren so aufgeregt und aufeinander fixiert, dass sie sich durch uns und die Taschenlampe nicht stören ließen. Auch für uns war es sehr aufregend, doch wir blieben still und bewegungslos stehen. Da sich das Geschehen praktisch vor unseren Füßen abspielte und ab und an der gestreifter Rücken einer Doppelschnepfe direkt vor einem im Gras auftauchte, wagten wir nicht, uns zu rühren.
Der Tanz ging weiter, auch als wir, von Mücken umschwärmt, den leisen Rückzug antraten, ohne Worte.
Doppelschnepfe (Gallinago media) Great Snipe