Gabelracke

        Reisebericht Äthiopien 2011

                Uta und Lutz Schmechta

Strichelbrustkiebitz
Colobus Affe

Simienwolf

23. April 2011

Im Reich von Kay-Kabaro

(Im Reich des Äthiopischen Wolfes)

Heute führt unser Weg auf rund 4000 m über N.N. – Zwischen Geröll und Felsen erstrecken sich Grasflächen mit gelbbraunen und sandfarbenem Gras. Und hier taucht er plötzlich auf. Der Simienwolf (Äthiopischer Wolf | Ethiopian Wolf | Canis simensis), amharisch Kay-Kabaro. Rotbraunes Fell mit weißen Abzeichen – in der Größe etwa zwischen Wolf und Fuchs. Die Biologen können dieses Tier, das nur in Äthiopien vorkommt, nicht genau einer der Gruppen zuordnen – „Er ist weltweit eines der schönsten und spektakulären Mitglieder der Familie „Hund“ – Weder Hund, noch Wolf oder Schakal – er wurde schon alles davon genannt, Er ist auch kein Fuchs, aber er hat fast die selbe Färbung wie der europäische Fuchs, deshalb blieb dieser Name an ihm „hängen“. Wissenschaftlich gesehen besetzt er eine eigene Nische und ist das einzige Mitglied seiner Art“ – diese detailreiche Schilderung lieferte uns das Buch von Jill Last„Endemic mammals of Ethiopia“

Hochebene: Im Reich des Äthiopischen Wolfes
Bild [8.2] Im Reich des Äthiopischen Wolfes

Hier auf dem Sanetti-Hochplateau ist der einzige Ort im Süden Äthiopiens, wo er und seine Artgenossen zu finden sind. Unser Simienwolf schnürt in stetigem Trab über die lohfarbenen Flächen, auf der Jagd nach den Afrikanischen Maulwurfsratten, die seine bevorzugte Beute darstellen. Hat er den Eindruck, in den Höhlengängen unter seinen sensiblen Pfoten befinden sich diese fetten Happen, springt er immer hoch und landet auf allen vieren, mit der Wucht des Auf- und Nieder bringt er die Erde zum Vibrieren.

An diesem Tag fahren wir hoch bis auf 4375 m.N.N. und dann hinunter auf 1500 m . Unterwegs begegnen uns Bergregennwälder, an denen wir bei leichtem Nieselregen kurz entlangwandern. Hier begegnen wir auch den Colobus Affen (Mantelaffe | Abyss. Black and White Colobus | Colobus guereza). Gegen Abend fahren wir ins eher ländliche Dolomena ein, im Hof unseres kleinen Hotels traben Kühe über den Hof, Ziegen meckern. Das einzige Klo ist eher ein Abtritt. Zugleich bemüht man sich um Service und man wird überall hin begleitet. Eine Alternative zur Innentoilette unter freiem Himmel zu finden, ist schwierig. Derweil wird Abendessen serviert. Spaghetti mit scharfer Sauce, kräftig und nahrhaft, nachdem wir den Tag über nichts bekommen haben. Bei Bier und Gesprächen in der Runde auf dem Hof versucht jeder, den Augenblick hinauszuzögern, wo wir ins Bett müssen.

Prozession
Bild [8.4] Auf dem Weg zur Kirche

Die Nacht wird trotzdem noch angenehm. Wir können das Fenster geöffnet lassen, weil die Hoteliersfamilie oder Angestellte auf dem Hof mit Taschenlampen Wache schieben. Eine willkommene Unterhaltung überrascht uns, weil in der benachbarten Kirche lautstark die Osternacht durch gesungen und getrommelt wird. Die Kirchengesänge in der uralten Kirchensprache Geez ( Kyrie und Alleluja glauben wir herauszuhören ) werden mit dunklen Trommelschlägen begleitet. Uns beeindruckt das Kraftvoll Archaische dieser Musik und wir sitzen lange auf einer Bank im Hof.   weiterlesen