Gabelracke

        Reisebericht Äthiopien 2011

                Uta und Lutz Schmechta

Kappengeier

Simienwolf

17. April 2011

Über Meer und Wüste

Die Wüste Ägyptens und des Sudans liegen tief unter uns. Kairo ist ein goldenes Geschmeide auf nachtschwarzem Samt unter dem Kreuz des Südens. Dann nur Sand, einzelne Lichter, ein Flußlauf – der Nil? Die Wolken überziehen die Wüste mit einem Meer wie Eis. In der Kabine werden als Mitternachtssnack Käsesandwiches serviert.

Wilkommens Plakat
Bild [1.1] Willkommen in Äthiopien

Dann beginnt der Landeanflug auf Addis. Unser Flugzeug gleitet über einen Lichtteppich. Der geschwungene Flügel mit dem Turkish Airline Symbol des fliegenden Vogels scheint die Lichter zu berühren. Dann  taucht die Maschine ein in dieses Wechselspiel aus Licht und Dunkel und setzt auf äthiopischem Boden auf. Tena yist illin…grüßgott, Addis Abbeba.

Draußen empfängt uns warmes Dunkel der afrikanischen Nacht mit den Duftnoten von Blüten, Benzin und Holzrauch. Die Fahrt zum Hotel führt durch das halbwache Addis. In einer kleinen Seitenstraße stoppt der Bus vor einem massiven Eisentor und hupt mehrmals.

Wir haben unser Hotel erreicht, das wie eine Mischung aus Alcatraz ( weg. der  Stacheldrahtrollen auf der Mauer ) und Cesars Palace anmutet ( apricotfarbene Fassade mit vielen Dekoelementen ). In unserem ebenso fürstlich aufgerüschten Zimmer ( wir werden es erst eine Nacht später wirklich schätzen, aber da ist es zu spät….! ) breiten wir unsere Taschen aus. Auf dem Kingsize-Bett sinken wir in kurzen, aber erholsamen Schlaf. Mit dem Morgenlicht sickern auch Töne und Geräusche der Nachbarschaft in unser Bewußtsein. Es ist Palmsonntag und in der benachbarten Kirche hat der Gottesdienst begonnen. Kirchengesänge in der uralten Kirchensprache Ge´ez fluten durch die Straße, schwingen sich über die Dächer. Dazu Hähnekrähen und hupende Autos. Unten auf der Straße läuft eine Gruppe Jogger vorbei und einige Frauen in hellen Kleidern auf dem Weg zur Kirche.
Nach einem kurzen Frühstück wuchten wir unser Gepäck die Stufen ( Marmor!?) hinunter in den Hof. Die ersten Beobachtungen werden gemeldet.

Kappengeier
Bild 1.3] Kappengeier| Hooded Vulture|
Necrosyrtes monachus

Auf dem Haus gegenüber etwa sitzt ein Kappengeier so ruhig und selbstverständlich wie bei uns die fetten Straßentauben. Weitere Geier kreisen weiter entfernt, vielleicht wurde dort ein Tier geschlachtet, ist auf natürlichem Weg verstorben oder es liegt einfach Müll herum.  Als die Gruppe komplett ist- es stoßen vier Mitreisende zu uns, die bereits seit drei Wochen den Norden mit Lalibela und Simiengebirge bereist hatten – verteilen wir uns auf die sechs Toyota Geländewagen von Caravan Travel. Wir fühlen uns vom ersten Moment an wohl in unserem Auto, weil unser Fahrer, der sich uns als Abiy vorstellt, sehr kompetent und sicher fährt und uns immer wieder auch mit Fragen zu unserer Herkunft und Informationen unterhält. Bei flottem Tempo geht es hinaus aus Addis und wir erfahren einiges über die äthiopisch-orthodoxe Kirche.

Heute am Palmsonntag sind viele Gläubige in weißen Kleidern unterwegs, die Gärten um die Kirchen herum sind voll von Betenden und Jugendliche bieten Palmzweige am Straßenrand zum Verkauf an. Esel könnte Jesus viele finden, sie laufen in langen Reihen mit gelben Plastikkanistern auf dem Rücken die Straße entlang und öfter auch unvermittelt über die Straße. Manchmal stehen sie auch gedankenverloren in der Mitte.
Die Fahrweise ist insgesamt unorthodox. Man sieht aufeinander und reagiert, im besten Fall ist es wie ein Tanz, bei dem jeder sich den Raum nimmt, der gerade nötig ist, um aneinander vorbeizukommen. Das Zusammenspiel von Gas, Bremse und Hupe jedenfalls ist bei unserem Fahrer Abiy perfekt – und eben fast spielerisch.     weiterlesen